Drag Queens als lebende Kunst

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Drag Queens sind die schrillen Paradiesvögel unserer Gesellschaft – früher konnte man sie nachts in LGBT-Clubs finden oder auf den CSD-Paraden für gleiche Rechte demonstrieren sehen. Heutzutage ist jedoch eine viel größere Plattform für Drag Queens und ihre Kunst vorhanden. Mit erfolgreichen Reality TV-Serien wie das amerikanische RuPaul’s Drag Race, zahlreichen neu aufkommenden Drag-Partys in London oder New York und der Kreativität der sozialen Netzwerken wie YouTube und Instagram werden Drag Queens die Bühnen der Welt offeriert.

Aber was sind Drag Queens nun eigentlich genau? Und kann man ihre Tätigkeit als lebende Kunst klassifizieren? Drag Queens spielen schon seit der Antike eine bedeutende kulturelle Rolle. Die Performance in Drag hat nicht nur Geschlechterrollen und Sexualität parodiert, sondern war beispielsweise auch ein fester Bestandteil in Shakespeares Theaterstücken oder in barocken Operetten. Der Begriff „Drag Queen” beschrieb zunächst Männer, die Frauenkleidung als Teil einer Performance getragen haben.

Entgegen allgemeiner Auffassung sind Drag Queens jedoch nicht nur schwule Männer, die Frauenkleidung tragen – Drag ist für alles und jeden offen. Heterosexuelle, Homosexuelle, Bisexuelle, Frauen, Männer, Trans* – der Beteiligung an Drag sind keine Grenzen gesetzt. Auch identifizieren sich Drag Queens nicht zwangsweise als Frau. Ein Großteil der Drag Queens leben sich durch Drag lediglich kreativ aus. Drag beschreibt demnach eine künstlerische Auseinandersetzung und muss keine Hinweise auf die geschlechtliche Identität geben. Im Allgemeinen versteht man also unter einer Drag Queen eine Person, die sich kreativ selbst geschlechtlich inszeniert. Drag sind hierbei keinerlei Grenzen gesetzt und so gibt es die unterschiedlichsten Formen – von Drag Queens, die wie biologische Frauen aussehen, bis hin zu übertriebenen genderqueeren Queens.

Durch Instagram und andere soziale Medien ist Drag nun ein weltweites Phänomen. Drag Queens sind nicht mehr nur auf Bühnen von LGBTQ-Clubs oder inmitten von CSD-Paraden zu finden – immer mehr Drag Queens schminken sich zuhause, kreieren neue visuelle und künstlerische Konzepte und teilen diese auf Social Media mit der Öffentlichkeit. Drag hat sich also auch mit der Zeit entwickelt und ist mittlerweile mehr als nur die bloße Performance. Drag ist heutzutage nicht mehr nur eine Beschäftigung in der LGBTQ-Community. Eher gewinnt es an immer mehr Beliebtheit in der Pop-Kultur und bringt damit Drag Kunst und Aktivismus zusammen – durch den queeren Hintergrund der Drag Queen-Kultur und dem künstlerischen Aspekt der Drag-Verwandlung und Performance erschaffen Drag Queens tiefere Facetten in ihre Kunst.

Mit über vier Stunden Arbeit und Vorbereitung ist Drag, wie viele andere Kunstformen, kein sehr ertragreicher Job – nur mit viel Glück und Talent besteht die Möglichkeit der Berühmtheit. RuPaul, eine der bekanntesten Drag Queens, hat es jedoch geschafft. Mit ihrer Reality TV-Show RuPaul’s Drag Race Drag war Sie eine Vorreiterin im Prozess der Mainstreamisierung. Auch der Sieg von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest 2014 zeigt die offenbar höher-werdende Akzeptanz und Popularität von Drag Queens. Drag gewinnt an mehr Beliebtheit und hat gerade einen Mainstream-Moment, den auch Museen und Galerien ausleben und so häufiger queer-beeinflusste Ausstellungen und Programme wie „Queer British Art” im Tate Britain oder „Contemporary Drag” im NADA New York anbieten. Doch bekommen auch Drag Queens immer mehr Anerkennung für ihre Arbeit – ob in Galerien, auf Messen, Bühnen, in der Musik oder im Fernsehen. Damit bleibt Drag modern, inspirierend und entwickelt sich dadurch stetig selbst weiter.

Trotz allem bleibt Drag eine vor allem queer-geprägte Kunst und damit auch eine Art politischer Aktivismus für gleiche Rechte der LGBTQ-Community. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist Drag sogar etwas, was jeder tagtäglich selbst tut. Denn durch Kleidung, unser Verhalten und unser äußeres Erscheinungsbild betreiben wir selbst Drag. Drag Queens performen Geschlecht, Sexualität oder ander soziale Rollen und dekonstruiert damit Identitätskategorien. Auch wird Drag im heutigen politischen Klima immer wichtiger und bietet eine relevante Form von Kreativität, Aktivismus und künstlerischem Ausdruck.

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