Schwule Kunst

Schwule Kunst

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“Ich glaube auch, dass Bisexualität für künstlerisches Tun fast notwendige Grundlage ist“

- Käthe Kollwitz, 1923
Ob Kunst, Musik oder Literatur – Homosexualität ist und war schon immer ein wichtiger Bestandteil der Kunst. Sei es die Muse, Inspiration, das Thema oder die verschlüsselte Liebesbotschaft – Homosexualität ist ein zentraler Schlüsselbegriff in der Kunstszene und kann in vielerlei Hinsicht als Waffe gegen Unterdrückung, Homophobie und Vorurteile angesehen werden.

Doch was bedeutet eigentlich „schwule Kunst”? Geht es dabei um homoerotische Werke, die den schwulen Betrachter ansprechen? Um Künstler, die sich sexuell zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen? Oder geht es prinzipiell um die Werke an sich, die zur „schwulen Kunst” werden?

Andy Warhol, David Hockney, Pierre et Gilles und Leonardo da Vinci sind nur einige Beispiele aus der Reihe berühmter (vermeintlich) schwuler Künstler. Anziehende Körper, sensible Portraits, verdrehte Liebesspiele, Aktfotografien oder abstrakte Anspielungen – schwule Kunst provoziert und polarisiert. Die Kunst eröffnet einen Raum für ein Spiel mit sexuellen und geschlechtlichen Identitäten. Sie offenbart die Schönheit der gleichgeschlechtlichen Körper und verarbeitet damit eigene Gefühle und Gedanken zur Homosexualität.

Dabei wird vor allem die Ästhetik der Leidenschaft ausgedrückt, die in vielen Teilen der Gesellschaft tabu oder gar verboten war. Damit diente die Kunst als ein Ausdruck von Freiheit, die die Gefühlslage der Künstler widergespiegelt hat. Sie wurde zu einem Werkzeug, um die Homosexualität des Künstlers oder die Sexualität allgemein zu illustrieren – etwas, was lange Zeit im Verborgenen bleiben musste und heute noch in Teilen der Welt bleiben muss. Diese Kunst wurde jedoch nicht immer anerkannt und daher von Staat und Kirche zensiert, obwohl dies großen Einfluss auf die Gesellschaft und den Abbau von Vorurteilen gegenüber der LGBTQI*-Community haben hätte können.

Im Gegensatz dazu steht das antike Griechenland, in dem die Sichtbarkeit gleichgeschlechtlicher Liebe in der Philosophie, Kunst, Literatur und Gesellschaft zum Alltag gehörte. Es wurde angenommen, dass gerade Homosexualität der Inbegriff wahrer Liebe war, anders als Heterosexualität. Damit war queere Kunst in der Antike besonders wichtig, hatte eine Vorbildfunktion inne und gestaltete die Gesellschaft und Kunstszene mit.

Queere Kunst reicht von Selbstbildnissen und dem Ausdruck von Gefühlen und Gedanken bis hin zur Erstellung von Symbolen mit gesellschaftlicher Bedeutung (wie der Regenbogenflagge) und dem Abbilden von gleichgeschlechtlicher Leidenschaft und Ästhetik. Die Kunst spiegelt die Geschichte einer Kultur wider und gilt als lebendiges Artefakt. Deshalb ist es auch wichtig, dass Homosexualität in der Kunst sichtbar gemacht wird, sodass deren Bedeutung in der Gesellschaft deutlich wird.
Mit diesem Gedanken beschäftigt sich ebenfalls die Vernissage „We Are Part of Culture” von 100% Mensch, die queere Personen in der Geschichte und deren Einfluss auf die Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen in den Vordergrund stellt. Viele Künstler lebten in bi- oder homosexuellen Verhältnissen, welche sich jedoch nie öffentlich outeten. Die Vernissage leistet einen wichtigen Schritt in der Aufarbeitung und Verdeutlichung der Bedeutung von gleichgeschlechtlicher Liebe in der Geschichte und Gesellschaft.

Abschließend kann man demnach sagen, dass die Kunst eine Möglichkeit für den Emotions- und Selbstausdruck der Künstler und damit Berührungspunkte mit Homosexualität und anderen Geschlechteridentitäten bietet, die ohne die Kunst einen wertvollen Bestandteil verlieren würden.

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